„Das ist höhere Gewalt“

„Das ist höhere Gewalt“

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Ob Theater, Konzert, Lesung oder Museum: Wie schwer den Gästen der KulturTafel der momentane kulturelle Verzicht fällt, konnte man kürzlich in den Lübecker Nachrichten eindrucksvoll lesen. Unter anderem haben sich die folgenden Gäste zu Wort gemeldet:

Natürlich hatte ich totales Verständnis, als ihr anrieft, um mir zu sagen, dass das Konzert im CVJM ausfällt. Ich war trotzdem enttäuscht. Ich sag das jetzt mal so: Ihr habt mich auf die Droge Kultur gesetzt und ein „kalter Entzug“ fühlt sich einfach nicht gut an! Dafür zehre ich jetzt von meinem kulturellen Erinnerungsschatz, der dank euch gut gefüllt ist. Zum Beispiel ist das Zaubertheater total klasse! Richtig toll war neulich auch „Caveman“ im Kolosseum. Ich hatte am nächsten Tag Muskelkater im Bauch vor lauter Lachen. An dieses Gefühl versuche ich mich jetzt während der Corona-Krise immer wieder zu erinnern. (Nadine, Hartz VI-Empfängerin, 41 Jahre)

Ich beziehe Grundsicherung und war kulturell einfach abgehängt, richtig „kalt gestellt“ habe ich mich in dieser Hinsicht gefühlt, denn ich bin kulturell sehr interessiert. Das letzte Konzert in der Aegidienkirche war wunderschön. Es wurden ausschließlich Werke von Bach gespielt. Hervorragend! Das fehlt mir jetzt natürlich sehr, aber es geht ja nun schließlich im Moment allen so. Da müssen wir jetzt einfach durch! Ich freue mich aber schon, wenn Sie sich hoffentlich bald wieder bei mir melden. Ihre Einrichtung ist einfach toll. Als ich von Ihnen zum ersten Mal gehört habe, habe ich gedacht: „Wie geil ist das denn!“ (Bert, bezieht als Frührentner Grundsicherung, 57 Jahre)

„Früher hatten wir kein Geld. Jetzt können wir mit der Kulturtafel hin. Aber warum gehen wir jetzt doch nicht zum Kindertheaterfestival?“ Das hat mich mein Sohn gefragt, als die Absage wegen Corona kam. Wir durften aber dank Ihnen schon zwei Mal zum Figurentheater ins Hansemuseum. Das war richtig toll. Da denken wir jetzt viel dran. Und ein absolutes Highlight war natürlich der Circus Roncalli, zu dem Sie uns eingeladen haben. Mein Sohn konnte endlich mal mitreden! Können Sie sich vorstellen, was das meinem Sohn bedeutet hat? Das ist in Worten kaum zu beschreiben. (Anja, alleinerziehende Mutter und Hartz VI-Empfängerin, 34 Jahre)

Im Moment ist es einfach langweilig und trist. Die KulturTafel holt die Menschen wirklich aus der Isolation heraus. Für mich ist so wichtig, dass ich durch euch endlich wieder das Gefühl habe, dazuzugehören. Das gibt mir unheimlich viel Kraft und auch Mut, den ich in meinem Alltag brauche. Ihr könnt ja nichts dafür, dass jetzt nichts stattfindet, das ist einfach höhere Gewalt! Ich denke jetzt noch total oft an den letzten schönen Abend zurück: ein Sinfoniekonzert. Dass mir Klassik gefällt, hätte ich nie gedacht. Aber ich habe es durch euch ausprobiert – und siehe da: Das fetzt! (Klaus, bezieht als Rentner Grundsicherung, 68 Jahre)